Haben Sie auch Obstbäume im Garten und sind mit Ihren Ernteerfolgen in den letzten Jahren nicht so richtig zufrieden? Es könnte daran liegen, dass der Baum nicht richtig und regelmäßig geschnitten bzw. gezielt ausgelichtet wurde. Ab Ende November/Anfang Dezember, wenn die Bäume ihr Laub verloren haben und es langsam kälter wird, beginnt die richtige Zeit für den Obstbaumschnitt. Viele Hobbygärtner aber sind unsicher, wie und wo Schere oder Säge richtig ansetzt werden müssen und so ganz einfach ist das auch nicht. Hier einige der wichtigsten Grundprinzipien.

Ungeschnittene Bäume bringen zwar auch Früchte hervor, meist allerdings nur viele kleine. Außerdem ist die Anfälligkeit für Schorf und andere Krankheiten im dichten Gewirr unkontrolliert wachsender Äste hoch. Oft brechen auch im Sommer die Zweige unter der Last der vielen kleinen Früchte ab. Von Natur aus tendiert der Obstbaum nur dazu, möglichst viele Samen zu produzieren, aber eben nicht gezielt große und schmackhafte Früchte. Die aber wünscht sich natürlich der Obstbaum-Besitzer und da kann er selbst etwas für tun.   

Früher pflanzten Hobbygärtner vorwiegend Hochstämme, die sich zu hohen Obstbäumen mit mächtigen Kronen entwickelten. Heute findet man in den meist kleinen Gärten fast nur noch Halbstämme, Spindelsträucher oder niedrige Büsche. Die Grundprinzipien für den Winterschnitt sind aber ähnlich. Doch der richtige Obstbaumschnitt ist eine Wissenschaft und auch eine Kunst für sich.

Erziehungsschnitt:

Junge Bäume bringt man in den ersten Jahren mit dem Winterschnitt (Erziehungsschnitt) zunächst mal in die richtige Form und regt mit dem Schnitt vor allem gezielt das Wachstum an. Ziel ist die Ausbildung einer pyramidenförmigen, stabilen Krone mit einem Mitteltrieb und drei bis vier Leittrieben an. 

Zur Formung einer schönen und ertragreichen Baumkrone gehört in den ersten Jahren auch das Herunterbinden von tief liegenden Nebentrieben. An waagerecht wachsenden Ästen wachsen nämlich die Äste, die später Früchte tragen. Fruchtholz nennt man diese Äste auch. Später, wenn der Baum schon größer und kräftiger ist, braucht man nicht mehr mit dem Runterbinden nach zu helfen.

Mit Spreizhölzern, die man aus den abgeschnittenen Äste zurecht schneiden kann, werden am Schluß noch zu steil wachsende Leitäste vom Mitteltrieb abgespreizt. So nehmen sich die Haupttriebe nicht gegenseitig Platz weg und es kommt Licht in die Krone

Winterschnitt bei ausgewachsenen Bäumen:

Später aber wachsen die Bäume oft völlig aus der Form. Die Ernte ist mager, die Früchte klein und voller Schorf und der Hobbygärtner steht häufig ratlos davor.

Warum schneidet man überhaupt im Winter?

1. Der Baum ist im Winter in der Ruhephase

2. Der Kronenaufbau ist ohne Laub viel besser zu erkennen

3. Der Gärtner hat im Winter mehr Zeit.

Ganz simpel gesagt: Ohne Licht gibt es keine Früchte. Mit gezielten Schnitten muss also regelmäßig immer wieder die Krone ausgelichtet werden, damit sonnengereifte Früchte auch in den unteren Etagen wachsen können. Angestrebt wird wieder - wie auch beim Erziehungsschnitt - ein pyramidenförmiger Aufbau.

Ganz wichtig ist natürlich gut funktionierendes Werkzeug und Material: Leiter, Baumscheren, Sägen, Handschuhe und Wundverschlußmittel für größere Schnittstellen beim Kernobst wie Kirsche oder Pflaume.

Achten Sie unbedingt immer auf einen sicheren Stand, wenn sie oben im Baum mit Säge und Schere unterwegs sind!

Erster Schritt: Die Beobachtung:

• Ganz wichtig: Bevor es mit Säge oder Schere zum Schnitt geht, sollte der Baum immer erst genau angeschaut werden. Wo sitzt das Rückgrat des Baumes; also sein Haupttrieb – die so genannte Stammverlängerung und seine Leittriebe? Ist noch der Aufbau vom Erziehungsschnitt zu erkennen? Geschnitten werden sollte außerdem nur an einem trockenen Spätherbst- oder Wintertag und die Temperaturen sollten nicht unter Minus fünf Grad sein.

Zweiter Schritt: der Schnitt:

• als erstes werden alle dickeren Äste weggenommen, die entweder nach innen wachsen, nach unten oder steil nach oben. Sie sollten komplett entfernt werden, auf Astring schneiden, nennt das der Fachmann.

• entfernt werden auch alle abgestorbenen und kranken Triebe.

• an Astgabeln werden immer die steil nach oben wachsenden Zweige gekappt. Damit wird das Wachstum des flacheren Astes gefördert und das wiederum fördert die Blütenbildung. Waagerechte und nach außen wachsende Zweige werden deshalb gestärkt, weil sich an ihnen die besten Frucht-Äste entwickeln.

• wichtig außerdem beim Auslichten: Alle Konkurrenztriebe - also Verzweigungen -, die am Haupttrieb, der Stammverlängerung, und den drei bis vier Leittrieben gewachsen sind, müssen weg.

• Der Haupttrieb, die Stammverlängerung, wird um etwa ein Drittel eingekürzt, ebenso wie die Leittriebe, die alle pyramidal auf die gleiche Höhe rund um die Stammverlängerung eingekürzt werden.

• Der Feinschnitt: waagerecht wachsende Fruchttriebe, an denen man im Winter schon dicke Knospen sieht, werden mit der Baumschere um ca. ein Drittel eingekürzt. Werden sie im Sommer zu lang, bilden sie nämlich nur kleine Früchte und knicken unter der Last der Früchte oft einfach ab.

• auch alle dünneren Zweige, die nach steil unten oder oben wachsen, werden mit der Baumschere abgeschnitten.   

Erfahrene, ältere Gärtner kennen noch den Spruch: „Nach dem Schnitt muss man einen Hut durch die Krone werfen können!!“ Der Winterschnitt ist – gerade bei Obstbäumen, die lange nicht geschnitten wurden - auch für Profis oft eine Herausforderung. Trotzdem: Trauen Sie sich einfach: Ihr Obstbaum wird es Ihnen mit einer besseren Ernte danken!

 

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